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Juni 2010
Biosprit soll wieder nachhaltig werden
Die EU will Biotreibstoffe fördern, die nachhaltig sind. Die Kriterien dafür sind aufgestellt, ein einheitliches EU-Siegel wird es allerdings nicht geben und klimaschädlicher Biosprit wird nicht explizit verboten.
Die EU hat letzte Woche erstmalig einen Nachhaltigkeitskatalog mit Regeln aufgestellt, die festschreiben, wann Biosprit politisch korrekt ist. Vergangene Woche wurden in Brüssel die europäischen Auflagen für Nachhaltigkeitszertifikate bekannt gegeben: Eine Treibhausgaseinsparung von mindestens 35 Prozent gegenüber fossilen Kraftstoffen muss erreicht werden. Bis 2018 steigt dieser Anteil auf 60 Prozent. Als nicht nachhaltig gelten Biotreibstoffe, für die kostbarer Wald oder Grünlandflächen in Plantagen umgewandelt wurden.
Unabhängige Gutachter sollen nach Inkrafttreten der Verordnung im Dezember, den gesamten Herstellungsprozess überprüfen. Eine solche Überprüfung ist freiwillig und muss von den Unternehmen selbst bezahlt werden. Auch wird es kein europäisches Siegel geben, die Umsetzung der Richtlinie wird den Mitgliedsstaaten überlassen.
Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace kritisieren, dass sich durch die neue Richtlinie im Grundsatz nicht ändere. In der Verordnung würden zudem strenge Regelungen zum Schutz von Böden, Wasser und Luft fehlen.
Quelle: heise online, news: energie und klima
Ethanol aus Stroh?
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters ist China auf dem besten Wege Ethanol aus Zellulose zu gewinnen. Ethanol kann Benzin beigemischt werden und so als Erdölersatz dienen. Da es sich um einen nachwachsenden Rohstoff handelt, spricht man von Biotreibstoff.
Derzeit wird Ethanol aus Rohrzucker, verschiedenen Getreidesorten und Zuckerrüben gewonnen und steht damit in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Nebst hohem Energieaufwand werden die Ausbreitung von Monokulturen und der Einsatz von Pestiziden gefördert.
Um Ethanol auch aus pflanzlichen Abfällen wie Stroh oder Restholz aus der Forstwirtschaft gewinnen zu können, muss die Zellulose erst in Zucker umgewandelt werden. Die hierfür benötigten Enzyme will laut Reuters die dänische Firma Novozymes A/S liefern. 2011 soll in der Volksrepublik eine Pilotanlage die Produktion aufnehmen. Unabhängig davon, plane die chinesische Tianguan Gruppe eine Zehntausend-Tonnen-Anlage. Tianguan wolle eigene Enzyme verwenden, um die Zellulose aufzubrechen. China habe 600 bis 800 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Abfälle, die eingesetzt werden könnten.
Quelle: e-news / heise online, 29. Mai 2010
Biosprit - Hunger, Mehrverbrauch statt Effizienz?
In Sevilla ist die internationale Konferenz - World Biofuels 2010 - zu Ende gegangenen. Gemäss Ausbauplänen und Wachstumshoffnungen der Agrartreibstoff-Produzenten, sollen 480 Millionen Hektar Land bis 2045 für den Anbau von Energiepflanzen genutzt werden.
Die Menschenrechtsorganisation FIAN (FoodFirst Informations- & Aktions-Netzwerk) kritisiert, die massiven Ausbaupläne würden zur weltweiten Vertreibung von Landbevölkerung führen und die Hungersnot weiter verschärfen. Auch das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) macht die Biotreibstoffproduktion mitverantwortlich für Preiserhöhungen von Nahrungsmitteln und die steigende Anzahl der Hungernden.
Auf politischer Seite argumentiert EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs, er könne keinen Zusammenhang zwischen der Biotreibstoffpolitik der EU und der Zahl der Hungernden weltweit erkennen. Kritik kommt aber auch aus der EU-Politik selbst. Eine Analyse vom März 2010 zum CO2-Ausstoß von Biotreibstoffen kam zu dem Schluss, eine Anhebung der Biospritquote auf mehr als 5 Prozent schade der Umwelt mehr, als dass sie ihr nütze. Grund dafür seien, die für den Energiepflanzenanbau durchgeführten Waldrodungen.
Quelle: e-news / heise online, 29. Mai 2010