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Oktober 2009
Politiker fordern Gütesiegel für Biotreibstoffe
Biotreibstoffe dürfen nur nachhaltig produziert werden. Die Umwelt- und Energiekommission des Nationalrates will dies mit einer Initiative bewirken. Anbau und Verarbeitung von Biotreibstoffen dürfen nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen und Abholzungen oder die Vertreibung von Einheimischen fördern. Die Initiative sieht weiter vor, anstelle von Kriterien für die Steuerbefreiung von Biotreibstoffen ökologische Bestimmungen über die Zulassung festzusetzen. Treibstoffe aus organischen Abfällen und Biogas sollen weiterhin keiner Beschränkung unterliegen.
Quelle: Basler Zeitung 21.10.09
UN-Bericht: Biosprit am Besten aus Abfall
Am Freitag veröffentlichte der Internationale Rat für nachhaltige Ressourcennutzung der UN einen Bericht, in dem die Treibhausgas-Bilanz verschiedener Biotreibstoffe mit der von fossilen Treibstoffen verglichen wird. Seit 2000 wurde die Biodiesel-Produktion von weniger als einer auf elf Milliarden Liter und die Produktion von Bioethanol-Treibstoffmischungen auf 52 Milliarden Liter jährlich ausgeweitet.
Doch die Biotreibstoff-Herstellung schreibt auch negative Schlagzeilen, seit der zunehmend in Großplantagen betriebene Anbau mit der Lebensmittelproduktion konkurriert und zusätzlich bisher unberührte natürliche Feucht- und Waldgebiete unter Monokultur genommen werden. Besonders Malaysia und Indonesien die zusammen vier Fünftel des Weltmarkts für Palmöl beliefern holzen ihre Regenwälder dafür großflächig ab.
Die Studie der UNEP kommt zum Ergebnis, dass pro Liter Biodiesel aus Palmöl 800 % mehr Treibhausgase als bei der Gewinnung und Nutzung fossilen Diesels in die Atmosphäre gelangen. Erfolgt der Anbau auf bisher ungenutzten Hochmooren, sind es bis zu 2000 %. Auch Bioethanol aus Mais hat demnach gegenüber dem fossilen Diesel eine um 5 % negative Bilanz.
Der Anbau von jatropha curcas, der Brechnuss, sei nur dann klimafreundlicher, wenn dafür nicht Buschland gerodet würde. Nur die Ethanolproduktion aus Zuckerrohr in Brasilien sei gegenüber fossilem Sprit in der Klimabilanz positiv.
Sinnvoll ist die Umwandlung von biologischen Abfällen in Treibstoff in Verfahren der zweiten Generation. Dabei wird die ganze Pflanze in flüssige Kohlenwasserstoffe umgewandelt. Auch müsse sichergestellt werden, dass Länder mit Nahrungsmittelknappheit nicht zu Biokraftstoff-Produzenten werden.
Quelle: UN-Bericht
Kraftstoffe der Zukunft 2009
Am 30. November/1. Dezember 2009 findet der 7. Internationale Fachkongress für Biokraftstoffe des BBE und der UFOP im Internationalen Congress Centrum ICC Berlin statt. Folgende Themen werden behandelt:
- Politische Rahmenbedingungen zumAusbau der Biokraftstoffmärkte
- Sicherstellung einer nachhaltigen Biokraftstoffproduktion
- Indirekte Landnutzungsänderungen
In einer anschliessenden Podiumsdiskussion diskutieren Vertreter der Biokraftstoffbranche mit den betreffenden Bundestagsabgeordneten der neuen Legislaturperiode über die Zukunft der Biokraftstoffe und den Korrekturbedarf der aktuellen Förderstrategie.
In insgesamt 7 Parallelforen werden Marktentwicklungen, aktuelle Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen mit markteingeführten und neuen Biokraftstoffen vorgestellt. Programm und weitere Informationen
Quelle: www.kraftstoffe-der-zukunft.com
UNEP Studie verweist auf mehr Gründlichkeit bei der Herstellung von Biokraftstoffen
Es braucht eine weitaus sorgfältigere und gründlichere Betrachtungs- und Herangehensweise bei der Entwicklung von Biokraftstoffen, wenn diese als umweltfreundliche Energiequelle in Zukunft eingesetzt werden sollen. Wenn Palmöl, das auf abgeholztem Torfland in tropischen Regionen angepflanzt wurde, für die Produktion von Biodiesel benutzt wird, sinken die ökologischen Werte, die Treibhausgasemissionen sind gar 2% höher als bei fossilen Brennstoffen.
Die Art wie und unter welchen Bedingungen Biokraftstoffe produziert werden, ist ausschlaggebend für gute oder eben schlechtere Treibhausgasemissionswerte.
Die Studie verweist auf ein ganzheitliches Betrachten der gesamten Produktionskette für Biokraftstoffe. Nur dann kann ein objektiver Wert errechnet werden.
Quelle: UNEP United Nations Environment Programm, 16.10.09
Energie und Ökologie
Biotreibstoffe müssen keine Konkurrenz zum Naturschutz sein, wurde an einer Tagung im Naturama erklärt. Rohstoffe sollen aber Abfälle statt Nahrungsmittel sein. In seinem Referat stellte der Agronom Hans-Christian Angele vom Zürcher Ingenieur- und Beratungsunternehmen Ernst Basler und Partner die Möglichkeiten der Gewinnung von Biotreibstoffen mit ihren Licht- und Schattenseiten vor. Mit erneuerbarer statt fossiler Energie könne die CO2 Belastung reduziert, die regionale Wirtschaft gestärkt und die Auslandabhängigkeit der Schweiz im Energiebereich verringert werden. In Europa seien nur Treibstoffe aus Abfall, Reststoffen und Holz ökologisch sinnvoll. Angele ist der Meinung, dass die Schweizer Landwirtschaft Treibstoff produzieren könne, ohne Beeinträchtigung des Naturschutzes. Er plädiert daher für vermehrte Biogasproduktion aus Hofdünger und Abfällen. Eine weitere Möglichkeit sei die Nutzung des Agro-Forst-Systems (Esche/Ahorn auf extensivem Weideland). Ganz klar, müsse aber auch die Energieeffizienz in der Landwirtschaft verbessert werden.
Im anschliessenden Podium wurde die Thematik kontrovers diskutiert. Einig war sich die Runde, dass die Biodiversität und Ökologie keinesfalls einem vermehrten Energiepflanzenbau auf Ackerflächen weichen dürften.
Quelle: BauernZeitung Zentralschweiz/Aargau
Mit der Biogas-Dampf-S9 zur Arbeit
Dampfloks kann man mit allem beheizen, auch mit Biogas aus der Region. Eine solche Biogas-Dampflok ist in Planung. Mit einem zweiwöchigen Pilotprojekt will die "Modern Steam am am Hauenstein GmbH" prüfen, ob mit touristischen Angeboten ein rentabler Betrieb auf der historischen Läufelfingerlinie möglich ist. Wenn genügend Gäste für die zwei bis drei Dampffahrten pro Tag sowie die angeschlossenen Tourismus-Projekte zu mobilisieren sind, soll später eine Dampflok, die mit Biogas aus der Region beheizt werden soll, einen ersten S-Bahn-Linienbetrieb aufnehmen.
Technisch scheint alles machbar, doch leidet das Läufelfingerli bisher unter Passagiermangel. Ob die Rechnung aufgeht, soll sich in diesen Wochen zeigen.
Quelle: Basellandschaftliche Zeitung, 23.09.09