Chancen durch dezentrale Projekte
Produktion in Kleinanlagen
Ein Grossteil der Wertschöpfung entsteht bei den biogenen Treibstoffen nicht durch den Anbau der Agrarrohstoffe, sondern durch die Verarbeitung der Energiepflanzen. Die Beteiligung der lokalen Bevölkerung an der Produktion und damit an der Wertschöpfung ist das Ziel der dezentralen biogenen Treibstoffprojekte. 

Besonders geeignet hierfür sind Energiepflanzen, die arbeitsintensiv (z.B. Rizinusöl, Palmöl oder Babaçu) und manuell geerntet werden müssen. Der Anbau von Jatropha curcas und die Nutzung von Pflanzenöl im kleinen Massstab kann beispielsweise zu einer Belebung der ländlichen Wirtschaft und zu einer Dezentralisierung in der Energieversorgung beitragen. 

Brasiliens Biodieselprogramm fördert Rizinus- und Palmölproduktion im Norden und Nordosten des Landes, mit dem Ziel, 400'000 Arbeitsplätze zu schaffen. Seit November 2005 kauft die staatliche Petroleumgesellschaft (PETROBRAS) das aus kleinbäuerlicher Produktion stammende Biodiesel auf und mischt es dem konventionellen Dieseltreibstoff bei. 

Im US Bundesstaat Minnesota werden viele Ethanolanlagen durch Kooperativen bewirtschaftet, nachdem der Staat einen Vorschuss von 0,65 Euro pro Liter für die ersten 57 Mio. Liter Ethanol bezahlte. Heute wird in Minnesota 40% des Ethanols in Anlagen produziert, welche durch Bauernkooperativen betrieben werden. 

Auch Länder wie Malaysia, Indonesien, Thailand und die Philippinen fördern die Produktion von biogenen Treibstoffen aus lokalen Energiepflanzen im Hinblick auf die regionale Wertschöpfung. Mali und Senegal fördern die Produktion von Jatropha-Öl für den lokalen Gebrauch in Öl-Lampen oder Öl-Kochern. Speziell Randregionen erreichen durch eine regionale Nutzung eine grössere finanzielle Unabhängigkeit und eine sichere Versorgung. Die Forschung und Entwicklung an Maschinen, welche direkt mit Pflanzenöl betrieben werden können, dürfte diesen Effekt noch verstärken.