Volatile Agrarmärkte
Zwischen 2002 und 2008 sind die Preise für Agrarrohstoffe wie Weizen, Reis und Mais und damit die Nahrungsmittelpreise gestiegen. Simon Johnson (Chefökonom des IWF) geht davon aus, dass die steigende Nachfrage nach biogenen Treibstoffen 20-30 Prozent der steigenden Nahrungsmittelpreise erklärt. Inzwischen (2009) sind die Preise wieder massiv gesunken, parallel zum ebenfalls stark gefallenen Erdölpreis.
Der Anstieg der Nahrungsmittelpreise wird vor allem durch starke Veränderungen in Angebot und Nachfrage ausgelöst. Dabei spielt das Wirtschaftswachstum eine entscheidende Rolle, zudem das globale Bevölkerungswachstum und die parallel dazu stattfindende Produktivitätssteigerung. Steigt die Produktivität weniger schnell als die durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum steigende Nachfrage, findet aufgrund nur beschränkt ausweitbarer Anbauflächen eine Preissteigerung statt.
Es sind aber weitere Faktoren dafür verantwortlich. Steigende Erdölpreise führen zu höheren Produktionskosten von Nahrungsmitteln (Dünger, Transport, Bewässerung). Witterungsbedingte Produktionsausfälle in wichtigen Exportländern, wie z.B. die grossen Verluste bei der Weizenernte in Australien durch Trockenheit im Jahr 2007 führen zu Angebotsverknappung. Klima-Veränderungen vermindern in einigen Weltregionen die landwirtschaftlichen Erträge, die durch Produktivitätssteigerungen nicht kompensiert werden können.
Zunehmender Wohlstand in bevölkerungsreichen Schwellenländern verändert die traditionellen Ernährungsgewohnheiten: steigender Fleisch- und Milchkonsum erhöht die Nachfrage nach pflanzlichen Futtermitteln.
Die steigende Nachfrage nach biogenen Treibstoffen auf Grund des hohen Ölpreises bzw. politisch bedingt durch Subventionen und Beimischungszwang (insbesondere EU und USA) ist ebenfalls für die Preissteigerungen verantwortlich. Wie gross deren Einfluss absolut ist, ist heftig umstritten. Die Agrarmarktsubventionen und Subventionen für den Anbau von biogenen Treibstoffen in den USA und der EU werden in diesem Zusammenhang hinterfragt.
Exportverbote , Währungseffekte, Spekulation, fallende Lagerbestände und geringe Investitionen in Agrarforschung und Agrartechnologieentwicklung verkomplizieren die Situation zusätzlich.